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Fakten & Daten  >  Deutschland 1918‑1939  >  10.‑14. November 1918

 

 

 

Geschrieben: Januar 2013

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1918 (10.‑14. November)

 

 

Brief des Parteivorstands der USPD an den Parteivorstands der SPD, 10. November 1918[1]

 

Auf Ihr Schreiben vom 9. November 1918 erwidern wir folgendes:

Die Unabhängige Sozialdemokratische Partei ist bereit, um die revolutionären sozialistischen Errungenschaften zu befestigen, in das Kabinett unter folgenden Bedingungen einzutreten: Das Kabinett darf nur aus Sozialdemokraten zusammengesetzt sein, die als Volkskommissare gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Für die Fachminister gilt diese Beschränkung nicht; sie sind nur technische Gehilfen des entscheidenden Kabinetts. Jedem von ihnen werden zwei Mitglieder der beiden sozialdemokratischen Parteien mit gleichen Rechten zur Seite gestellt, aus jeder Partei eins: Eine Fristbestimmung wird an den Eintritt der Unabhängigen Sozialdemokraten in das Kabinett (in das jede Partei drei Mitglieder entsendet) nicht geknüpft. Die politische Gewalt liegt in den Händen der Arbeiter- und Soldatenräte, die zu einer Vollversammlung aus dem ganzen Reiche alsbald zusammenzuberufen sind. Die Frage der Konstituierenden Versammlung wird erst bei einer Konsolidierung der durch die Revolution geschaffenen Zustände aktuell und soll deshalb späterer Erörterung vorbehalten bleiben. Für den Fall der Annahme dieser Bedingungen, die von dem Wunsche eines geschlossenen Auftretens des Proletariats diktiert sind, haben wir unsere Mitglieder Haase, Dittmann und Barth in das Kabinett delegiert.

 

 

Befehl des Stabschefs Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg an das deutsche Feldheer, 10. November 1918[2]

 

An alle Heeresgruppen und Armeeoberkommandos und selbständigen Stellen des Großen Hauptquartiers.

1. Damit angesichts der dem Vaterlande durch den Bolschewismus drohenden Gefahr des Bürgerkrieges das Heer in Festigkeit und Ordnung in die Heimat zurückgeführt werden kann, sind alle Offiziere und Mannschaften moralisch verpflichtet, alle mit Recht bestehenden Gewissensbedenken bezüglich des Seiner Majestät dem Kaiser und König geleisteten Fahneneides zurückzustellen und unvermindert ihre Pflicht zu tun zur Rettung der deutschen Lande aus größter Gefahr. Aus demselben Grunde habe ich mich entschlossen, auf meinem Posten zu verharren und gemäß der mir mündlich gewordenen Weisung Seiner Majestät des Kaisers und Königs den Oberbefehl über das deutsche Feldheer übernommen.

2. Nachdem die Bewegung zur Bildung von Soldatenräten in das Feldheer bereits eingedrungen ist und meines Erachtens durch Widerstand nicht mehr aufgehalten werden kann, ist es notwendig, diese Bewegung in die Hand der Offiziere zu bekommen. Zu diesem Zweck sind bei allen Kompanien, Batterien, Eskadrons pp. Vertrauensräte zu bilden. Unter Aufhebung der hierüber ergangenen Verfügung der OHL, vom 10.November 1918 I/S Nr.1 führe ich hierzu aus:

Es wird sich empfehlen, die Vertrauensräte aus der freien Wahl von Offizieren und Mannschaften hervorgehen zu lassen und die Anzahl ihrer Mitglieder je nach den Verhältnissen in dem betreffenden Truppenteil zu bestimmen. Die Vertrauensräte sind zweckmäßig in allen wirtschaftlichen und sozialen Fragen zur engsten Mitarbeit von den Truppenbefehlshabern heranzuziehen, damit die Ordnung im Heer aufrechterhalten wird. Die Führung der Truppen muß dabei jedoch fest in der Hand der Kommandobehörde bleiben. In diesem Sinne ist auf die Mannschaften einzuwirken und ist ihnen klarzumachen, daß im gegenwärtigen Augenblick, wo die allerschwierigsten Bewegungen des Heeres zum Schluß des Krieges noch gefordert werden, die Rückführung der Armee nur gewährleistet ist, wenn diese Bewegungen in strengster Ordnung und Manneszucht zur Ausführung gelangen.

3. Es kann bekanntgegeben werden, daß die OHL mit dem Reichskanzler Ebert, dem bisherigen Führer der gemäßigten sozialdemokratischen Partei, zusammengehen will, um die Ausbreitung des terroristischen Bolschewismus in Deutschland zu verhindern.

4. Die OHL hat den Reichskanzler gebeten, daß seitens der Regierung für das Feldheer die Beibehaltung der Rangabzeichen verfügt wird. Inzwischen muß es im Einzelfall dem Taktgefühl des Offiziers überlassen bleiben, derart zu handeln, daß Ausschreitungen der Mannschaften vermieden werden.

gez. Hindenburg

 

 

 

Aufruf der Spartakus-Gruppe, 10. November 1918[3]

 

Sichert die von euch errungene Macht!

Mißtrauen ist die erste demokratische Tugend! Die rote Fahne weht über Berlin! Würdig habt ihr euch an die Seite der Städte gestellt, in denen schon das Proletariat und die Soldaten die Macht übernommen haben. Wie aber die Welt auf euch geschaut hat, ob ihr eure Aufgabe lösen werdet, so sieht die Welt jetzt auf euch, wie ihr sie lösen werdet. Ihr müßt in der Durchführung eines sozialistisch-revolutionären Programms ganze Arbeit machen. Mit der Abdankung von ein paar Hohenzollern ist es nicht getan. Noch viel weniger ist es getan damit, daß ein paar Regierungssozialisten mehr an die Spitze treten. Sie haben vier Jahre lang die Bourgeoisie unterstützt, sie können nicht anders, als dies weiter tun. Mißtrauet denen, die von Reichskanzler- und Ministerstellen herunter glauben, eure Geschicke lenken zu dürfen. Nicht Neubesetzung der Posten von oben herunter, sondern Neuorganisierung der Gewalt von unten herauf. Sorget, daß die Macht, die ihr jetzt errungen habt, nicht euren Händen entgleite und daß ihr sie gebraucht für euer Ziel. Denn euer Ziel ist die sofortige Herbeiführung eines proletarisch-sozialistischen Friedens, der sich gegen den Imperialismus aller Länder wendet, und die Umwandlung der Gesellschaft in eine sozialistische. Zur Erlangung dieses Zieles ist es vor allem notwendig, daß das Berliner Proletariat in Bluse und Feldgrau erklärt, folgende Forderungen mit aller Entschlossenheit und unbezähmbarem Kampfwillen zu verfolgen:

1.   Entwaffnung der gesamten Polizei, sämtlicher Offiziere sowie der Soldaten, die nicht auf dem Boden der neuen Ordnung stehen; Bewaffnung des Volkes; alle Soldaten und Proletarier, die bewaffnet sind, behalten ihre Waffen.

2.   Übernahme sämtlicher militärischer und ziviler Behörden und Kommandostellen durch Vertrauensmänner des Arbeiter- und Soldatenrates.

3.   Übergabe aller Waffen- und Munitionsbestände sowie aller Rüstungsbetriebe an den Arbeiter- und Soldatenrat.

4.   Kontrolle über alle Verkehrsmittel durch den Arbeiter- und Soldatenrat.

5.   Abschaffung der Militärgerichtsbarkeit; Ersetzung des militärischen Kadavergehorsams durch freiwillige Disziplin der Soldaten unter Kontrolle des Arbeiter- und Soldatenrates.

6.   Beseitigung des Reichstages und aller Parlamente sowie der bestehenden Reichsregierung; Übernahme der Regierung durch den Berliner Arbeiter- und Soldatenrat bis zur Errichtung eines Reichs- Arbeiter- und Soldatenrates.

7.   Wahl von Arbeiter- und Soldatenräten in ganz Deutschland, in deren Hand ausschließlich Gesetzgebung und Verwaltung liegen. Zur Wahl der Arbeiter- und Soldatenräte schreitet das gesamte erwachsene werktätige Volk in Stadt und Land und ohne Unterschied der Geschlechter.

8.   Abschaffung aller Dynastien und Einzelstaaten; unsere Parole lautet: einheitliche sozialistische Republik Deutschland.

9.   Sofortige Aufnahme der Verbindung mit allen in Deutschland bestehenden Arbeiter- und Soldatenräten und den sozialistischen Bruderparteien des Auslandes.

10.           Sofortige Rückberufung der russischen Botschaft nach Berlin.

Arbeiter und Soldaten! Eine jahrtausendealte Knechtschaft geht zu Ende; aus den unsäglichen Leiden eines Krieges steigt nun die neue Freiheit empor. Vier lange Jahre haben die Scheidemänner, die Regierungssozialisten, euch durch die Schrecken eines Krieges gejagt, haben euch gesagt, man müsse »das Vaterland« verteidigen, wo es sich nur um die nackten Raubinteressen des Imperialismus handelte: jetzt, da der deutsche Imperialismus zusammenbricht, suchen sie für die Bourgeoisie zu retten, was noch zu retten ist, und suchen die revolutionäre Energie der Massen zu ersticken. Es darf kein »Scheidemann« mehr in der Regierung sitzen; es darf kein Sozialist in die Regierung eintreten, solange ein Regierungssozialist noch in ihr sitzt. Es gibt keine Gemeinschaft mit denen, die euch vier Jahre lang verraten haben. Nieder mit dem Kapitalismus und seinen Agenten!

Es lebe die Revolution! Es lebe die Internationale!

 

 

Zeugenaussage Wilhelm Groeners, Oktober‑November 1925[4]

 

R.-A. Dr. Hirschberg: [...] Der Herr Zeuge hat Bekundungen gemacht über Gespräche, die er mit dem späteren Reichspräsidenten Ebert nach Ausbruch der Revolution gehabt habe und hat dabei bekundet, Ebert habe mit ihm zusammen die Revolution bekämpft und zu diesem Zweck ‑ wenn ich nicht irre ‑ am 23. Dezember Truppen nach Berlin ziehen wollen. Wie ich gehört habe, ist diese Äußerung dahin aufgefaßt worden, der Herr Zeuge und Ebert zusammen hätten die Wiedereinführung der Monarchie beabsichtigt. Ich frage: War die Bekämpfung der Revolution dahin gemeint, daß die Monarchie wieder eingeführt werden solle, oder daß das Revolutions-Chaos bekämpft werden solle, daß insbesondere das Rätesystem zurückgedrängt werden sollte durch eine Nationalversammlung?

Zeuge: Das letztere ist richtig. Wir haben uns verbündet zum Kampf gegen die Revolution, zum Kampf gegen den Bolschewismus.

R.-A. Dr. Hirschberg: Der Herr Zeuge hat also mit dieser Äußerung ‑ die, wie ich gehört habe, vielfach mißverstanden ist ‑ den Kampf gegen die Revolution, den Kampf gegen den Bolschewismus gemeint?

Zeuge: Den Kampf gegen den Bolschewismus, der in der Revolution zum Ausdruck kam. An eine Wiedereinführung der Monarchie zu denken, war meines Erachtens vollkommen ausgeschlossen. Der Zweck unseres Bündnisses, das wir am 10. November abends geschlossen hatten, war die restlose Bekämpfung der Revolution, Wiedereinsetzung einer geordneten Regierungsgewalt, Stützung dieser Regierungsgewalt durch die Macht einer Truppe, und baldigste Einberufung einer Nationalversammlung. Das war das Ziel.

R.-A. Dr. Hirschberg: Ich darf also dann die Äußerung, die der Herr Zeuge bei seiner zusammenhängenden Vernehmung gemacht hat, daß der Abgeordnete Ebert mit ihm zusammen die Revolution habe bekämpfen wollen, mit Ihrem Einverständnis dahin interpretieren, daß er Bolschewismus und Chaos bekämpfen wollte.

Zeuge: Bolschewismus und Chaos und die damals noch im Gang befindliche Revolution.

R.-A. Graf von Pestalozza: Nachdem diese Frage angeschnitten ist, müßte sie endgültig geklärt werden. Der Herr Zeuge müßte genau angeben, was zwischen ihm und dem nachmaligen Präsidenten Ebert als gemeinsames Ziel vereinbart war, und was er als weiteres, eventuell besonderes Sonderziel Eberts betrachtet hat, wenn er überhaupt darüber aussagen kann, und was darüber hinaus sein eigenes persönliches Ziel war. Der Herr Zeuge hat nämlich in seiner zusammenhängenden Aussage erwähnt, daß die ganze Aktion ihre Zielsetzung durch ihn bekommen habe.

Zeuge: Am 10. November stand die Oberste Heeresleitung vor der Entscheidung, was sie tun solle. Ich habe dem Generalfeldmarschall den Rat gegeben, nicht mit den Waffen in der Hand zur Zeit die Revolution zu bekämpfen, weil zu befürchten sei, daß bei der Verfassung der Truppen eine solche Bekämpfung mit den Waffen scheitern werde. Ich habe ihm vorgeschlagen: Ich halte es für notwendig, daß die Oberste Heeresleitung sich mit der Mehrheitssozialdemokratie verbündet. Es gibt zur Zeit in Deutschland nach meinem persönlichen Dafürhalten keine Partei, die Einfluß genug im Volk, insbesondere bei den Massen hat, um eine Regierungsgewalt mit der Obersten Heeresleitung wieder herstellen zu können. Die Rechtsparteien waren vollkommen verschwunden, und mit den äußersten Radikalen zu gehen, war natürlich ausgeschlossen. Es blieb nichts übrig, als daß die Oberste Heeresleitung dieses Bündnis mit der Mehrheitssozialdemokratie schloß.

 

 

 

Erlaß der Regierung, 11. November 1918[5]

 

Die Staatssekretäre und die Chefs der Reichsbehörden sind von der Reichsregierung mit der vorläufigen Weiterführung der Geschäfte beauftragt worden. Das Eindringen unbefugter Personen in die Geschäftsräume der Reichsbehörden und die Übernahme amtlicher Geschäfte durch solche Personen ist nicht gestattet.

Die Reichsregierung: Ebert, Haase.

 

 

 

Aufruf des Vollzugsrats, 11. November 1918[6]

 

An die Einwohner und Soldaten Groß-Berlins!

Der von den Arbeiter- und Soldatenräten Groß-Berlins gewählte Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrats hat seine Tätigkeit aufgenommen.

Alle kommunalen, Landes-, Reichs und Militärbehörden setzen ihre Tätigkeit fort. Alle Anordnungen dieser Behörden erfolgen im Auftrage des Vollzugsrates des Arbeiter- und Soldatenrats. Jedermann hat den Anordnungen dieser Behörden Folge zu leisten.

Alle seit Beginn der Revolution im Bereiche Groß-Berlins provisorisch gebildete Körperschaften, auch solche die den Namen Arbeiter- und Soldatenrat führen und bestimmte Verwaltungsmaßnahmen ausgeführt haben, treten sofort außer Kraft.

Alle weiteren Anordnungen und Verfügungen werden von den zuständigen zivilen und militärischen Stellen schnellstens erlassen werden.

Alle Bekanntmachungen und Verfügungen des Vollzugsrates werden von den beiden Vorsitzenden, Richard Müller und von Beerfelde, unterzeichnet werden.

Der Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrates:

Emil Barth, von Beerfelde, [Hermann] Bergmann, Felix Bernhagen, Otto Braun, Franz Büchel, Cohen, Ernst Däumig, Heinrich Denecke, Paul Eckert, Chr. K. Finzel, Gelberg, Gustav Gerhardt, Gierth, Gustav Heller, Ernst Jülich, Georg Ledebour, Maynz, Brutus Molkenbuhr, Richard Müller, Paul Neuendorf, Hans Paasche, Walter Portner, Colin Roß, Oskar Rusch, Otto Strobel, Walz, Wegmann.

 

 

 

Erklärung des Vollzugsrats, 12. November 1918[7]

 

Im Beschluß des unterzeichneten Vollzugsrates vom 11. November ist angeordnet, daß alle provisorisch gebildeten Körperschaften sofort außer Kraft treten. Um Mißverständnisse zu beseitigen, zu denen diese Bestimmung Anlaß gegeben hat, wird hiermit erklärt: Die in den einzelnen Betrieben und Formationen gebildeten Arbeiter-, Soldaten- und Angestelltenräte, die sich auf einzelne Betriebe oder Formationen beschränken, bleiben nach wie vor bestehen und sind auch weiterhin zu bilden. Vollzugsgewalt steht jedoch diesen Räten nur innerhalb ihres Betriebes bzw. Truppenteils und nur bezüglich ihrer eigenen und lokalen Angelegenheiten zu.

Der Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrates

(gez.) Richard Müller, Molkenbuhr

 

 

Aufrufs des Rats der Volksbeauftragten, 12. November 1918[8]

 

An das deutsche Volk!

Die aus der Revolution hervorgegangene Regierung, deren politische Leitung rein sozialistisch ist, setzt sich die Aufgabe, das sozialistische Programm zu verwirklichen. Sie verkündet schon jetzt mit Gesetzeskraft folgendes:

1.   Der Belagerungszustand wird aufgehoben.

2.   Das Vereins- und Versammlungsrecht unterliegt keiner Beschränkung, auch nicht für Beamte und Staatsarbeiter.

3.   Eine Zensur findet nicht statt. Die Theaterzensur wird aufgehoben.

4.   Meinungsäußerung in Wort und Schrift ist frei.

5.   Die Freiheit der Religionsausübung wird gewährleistet. Niemand darf zu einer religiösen Handlung gezwungen werden.

6.   Für alle politischen Straftaten wird Amnestie gewährt. Die wegen solcher Straftaten anhängigen Verfahren werden niedergeschlagen.

7.   Das Gesetz über den vaterländischen Hilfsdienst wird aufgehoben, mit Ausnahme der sich auf die Schlichtung von Streitigkeiten beziehenden Bestimmungen.

8.   Die Gesindeordnungen werden außer Kraft gesetzt, ebenso die Ausnahmegesetze gegen die Landarbeiter.

9.   Die bei Beginn des Krieges aufgehobenen Arbeiterschutzbestimmungen werden hiermit wieder in Kraft gesetzt.

Weitere sozialpolitische Verordnungen werden binnen kurzem veröffentlicht werden. Spätestens zum 1. Januar 1919 wird der achtstündige Maximalarbeitstag in Kraft treten. Die Regierung wird alles tun, um für ausreichende Arbeitsgelegenheiten zu sorgen. Eine Verordnung über die Unterstützung von Erwerbslosen ist fertiggestellt. Sie verteilt die Lasten auf Reich, Staat und Gemeinde.

Auf dem Gebiete der Krankenversicherung wird die Versicherungspflicht über die bisherige Grenze von 2500 Mark ausgedehnt werden.

Die Wohnungsnot wird durch Bereitstellung von Wohnungen bekämpft werden.

Auf die Sicherung einer geregelten Volksernährung wird hingearbeitet werden.

Die Regierung wird die geordnete Produktion aufrechterhalten, das Eigentum gegen Eingriffe Privater sowie die Freiheit und Sicherheit der Person schützen.

Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystem für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.

Auch für die Konstituierende Versammlung, über die nähere Bestimmung noch erfolgen wird, gilt dieses Wahlrecht.

Berlin, den 12. November 1918.

Ebert - Haase - Scheidemann - Landsberg - Dittmann - Barth

 

 

 

Erlaß des Rats der Volksbeauftragten, 12. November 1918[9]

 

Erlaß des Rats der Volksbeauftragten an das Feldheer vom 12. 11. 1918

Die Volksregierung ist von dem Wunsche beseelt, daß jeder unserer Soldaten nach den unsäglichen Leiden und den unerhörten Entbehrungen in kürzester Zeit nach der Heimat zurückkehrt. Dieses Ziel ist aber nur zu erreichen, wenn die Demobilisierung nach einem geordneten Plane vor sich geht. Falls einzelne Trupps willkürlich zurückfluten, so gefährden sie sich selbst, ihre Kameraden und die Heimat auf das schwerste. Ein Chaos mit Hunger und Not müßte die Folge sein. Die Volksregierung erwartet von Euch strengste Selbstzucht, um unermeßlichen Schaden zu verhüten. Wir ersuchen die Oberste Heeresleitung, das Feldheer von vorstehender Erklärung der Volksregierung in Kenntnis zu setzen und folgendes anzuordnen:

1.   Das Verhältnis zwischen Offizier und Mann hat sich auf gegenseitigem Vertrauen aufzubauen. Willige Unterordnung des Mannes unter den Offizier und kameradschaftliche Behandlung des Mannes durch den Vorgesetzten sind hierzu Vorbedingungen,

2.   Das Vorgesetztenverhältnis des Offiziers bleibt bestehen. Unbedingter Gehorsam im Dienst ist von entscheidender Bedeutung für das Gelingen der Zurückführung in die deutsche Heimat. Militärische Disziplin und Ordnung im Heere müssen deshalb unter allen Umständen aufrechterhalten werden,

3.   Die Soldatenräte haben zur Aufrechterhaltung des Vertrauens zwischen Offizier und Mann beratende Stimme in Fragen der Verpflegung, des Urlaubs, der Verhängung von Disziplinarstrafen. Ihre oberste Pflicht ist es, auch ihrerseits auf die Verhinderung von Unordnung und Meuterei hinzuwirken.

4.   Gleiche Ernährung für Offiziere, Beamten und Mannschaften.

5.   Gleiche Zuschüsse zu den Löhnungen. Gleiche Feldzulage für Offiziere und Mannschaften.

6.   Von der Waffe gegen Angehörige des eigenen Volkes ist nur in der Notwehr oder zur Verhinderung von Plünderungen Gebrauch zu machen.

gez.: Ebert, Haase, Scheidemann, Dittmann, Landsberg, Barth.

Oberste Heeresleitung Großes Hauptquartier, den 13. November 1918

Vorstehender Erlaß der Volksregierung wird hiermit zur Kenntnis des Feldheeres gebracht.

gez.: v. Hindenburg.

 

 

 

Aufruf des Vollzugsrats, 12. November 1918[10]

 

Arbeiter und Parteigenossen in Groß-Berlin!

Die Revolution bedarf der Sicherung. Euer Mut hat die alte Zwingburg zerstört, helft jetzt die Errungenschaft der Revolution zu befestigen.

Wir brauchen eure Hilfe! 2.000 sozialistisch geschulte und politisch organisierte Genossen und Arbeiter mit militärischer Ausbildung haben den Schutz der Revolution zu übernehmen. Stellt Euch zur Verfügung!

Ihr sollt Waffen erhalten und ständig dem Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrates zur Verfügung stehen. Für Eure Löhnung und Verpflegung soll gesorgt werden!

Genossen! Arbeiter!

Es handelt sich um Eure Freiheit! Kommt, meldet Euch im Lauf des kommenden Mittwochs (13. November) im Gewerkschaftshause. Nachweis der Zugehörigkeit zu einer der beiden sozialdemokratischen Parteien und zu einer Gewerkschaft sowie der militärischen Ausbildung ist erforderlich.

Der Vollzugsrat des Arbeiter- und Soldatenrates

Richard Müller, Molkenbuhr

 

 

 

Aufruf der Delegierten der Arbeiter- und Soldatenräte von Dresden, Leipzig und Chemnitz, 14. November 1918[11]

 

An das sächsische Volk!

Das kapitalistische System hat seinen Zusammenbruch erlebt. Die bürgerliche monarchische Regierung ist gestürzt. Das revolutionäre Proletariat hat die öffentliche Gewalt übernommen. Sein Ziel ist die sozialistische Republik.

Verwirklichung des Sozialismus heißt: Verwandlung der kapitalistischen Produktion in gesellschaftliche; Enteignung des Privateigentums an Grund und Boden, Berg- und Hüttenwerke, Rohstoffe, Banken, Maschinen, Verkehrs­mittel usw., Umwandlung der Warenproduktion in sozialistische, Übernahme der Produktion durch das Proletariat.

Aufgabe der sozialistischen Regierung ist, die Revolution fortzusetzen und zu steigern bis zur völligen Überwindung der herrschenden bürgerlichen Klasse.

Verwirklichung der Republik heißt absolute Herrschaft des Willens der Ar­beiterklasse, Beseitigung der Knechtschaft in jeder Form, allgemeine Volksbewaffnung zum Schutze der Errungenschaft der Revolution, Abschaffung aller Arten des arbeitslosen Einkommens, Trennung der Kirche vom Staat, Ab­schaffung aller bürgerlichen Gerichte.

Die republikanische Regierung Sachsens hat die besondere Aufgabe, die Liquidierung des sächsischen Staates herbeizuführen und die einheitliche sozia­listische deutsche Republik zur Tatsache zu machen.

Die Beauftragten der Arbeiter- und Soldatenräte von Dresden, Leipzig und Chemnitz

Schwarz, Neuring, Fleißner, Rühle, Geyer, Lipinski, Seger, Heckert, Melzer, Fellisch

 

 

 

 

 

 

 

 

Fußnoten



[1]H. Michaelis, E. Schraepler (Hg.): Ursachen und Folgen - Band 4 - Die Weimarer Republik 1919‑1922 (Bibliographie ).

http://www.collectif-smolny.org/article.php3?id_article=900;

SPD (Hg.): Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (15.‑16. Juni 1919), S. 11 (Bibliographie ).

http://library.fes.de/parteitage/pdf/pt-jahr/pt-1919.pdf

[2]G. A. Ritter, S. Miller (Hg.): Die Deutsche Revolution..., (Bibliographie ).

[3]. IML beim ZK der SED (Hg.): Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Reihe 2 - Band 2 - November 1917‑Dezember 1918, S. 82-84 (Bibliographie ).

[4]L. Berthold, H. Neef: Militarismus und Opportunismus gegen die Novemberrevolution (Bibliographie ).

[5]. http://www.digam.net/dokument.php?ID=2407.

G. A. Ritter, S. Miller (Hg.): Die Deutsche Revolution..., S. 100 (Bibliographie ).

[6]G. Engel, B. Holtz, I. Materna (Hg.): Gross-Berliner Arbeiter- und Soldatenräte...- Band 1, S. 34-35 (Bibliographie ).

[7]G. Engel, B. Holtz, I. Materna (Hg.): Gross-Berliner Arbeiter- und Soldatenräte...- Band 1, S. 44-45 (Bibliographie ).

[8]G. A. Ritter, S. Miller (Hg.): Die Deutsche Revolution..., S. 103-104 (Bibliographie ).

http://www.documentarchiv.de/wr/1918/rat-der-volksbeauftragten_ar.html.

[9]G. A. Ritter, S. Miller (Hg.): Die Deutsche Revolution..., S. 94 (Bibliographie ).

[10]G. Engel, B. Holtz, I. Materna (Hg.): Gross-Berliner Arbeiter- und Soldatenräte...- Band 1, S. 44 (Bibliographie ).

[11]IML beim ZK der SED (Hg.): Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung - Reihe 2 - Band 3 - Januar 1919‑Mai 1919, S.164. (Bibliographie ).

http://www.marxists.org/deutsch/referenz/bernstein/1921/drev/kap07.html;

http://www.marxistsfr.org/deutsch/archiv/ruehle/1918/11/14.htm.