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Fakten & Daten  >  Deutschland 1918‑1939

 

 

 

Philipp Scheidemann
Rede beim Einzug der Truppen am Brandenburger Tor
12. Dezember 1918

 

 

Quelle[1]:

Archiv des Instituts für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Flugblattsammlung, Nr D. Do. V/Mappe 10

Abgedruckt in:

Lothar Berthold, Helmut Neef: Militarismus und Opportunismus gegen die Novemberrevolution
Berlin, Rütten & Loening, 1958 (S. 174‑175)

 

 

 

 

 

 

 

Erstellt: Januar 2013

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Deutschland 1918 1939 ‑ Dokumente
Deutschland 1918 1939 ‑ Übersicht

 

 

 

 

 

 

Kameraden! Zum dritten Mal hat sich die Reichshauptstadt aufgemacht, um an ihrem Tor Euch, ihre Helden, zu begrüßen. Unzählige Eurer Landsleute vereinen sich mit mir in Liebe und Stolz, wenn ich Euch zurufe: "Wir danken Euch von ganzem Herzen, wir heißen Euch von ganzem Herzen willkommen, wir brauchen Euch, wenn wir und unser Volk, daß Euch hier jubelnd umdrängt, nicht untergehen sollen."

Das festliche Tor, durch das ihr einzieht, trägt die Inschrift: "Frieden und Freiheit!"

Beides wollten wir Euch als Ehrengabe bescheren, wenn Ihr aus dem Felde heimkehren würdet. Nun seid Ihr heimgekehrt - und noch haben wir keinen Frieden! Ihr gliedert Euch wieder in das arbeitende Volk ein - und noch ist die Freiheit nicht gesichert! Deshalb müssen wir trotz der großen Rechte, die wir für Euch erstritten haben, in der ersten Stunde, die uns wieder vereinigt, von Euren Pflichten reden. Den Frieden konntet Ihr mit all Eurem Heldenmut gegen die Übermacht einer Welt nicht erkämpfen; jetzt müßt Ihr ihn in der Heimat uns verschaffen helfen. Die Freiheit haben wir daheim angebahnt; jetzt müßt Ihr von der Front sie uns sichern helfen. Frieden und Freiheit können nur Hand in Hand kommen, und Ihr, das Frontheer, müßt beiden den Weg bereiten.

Am 9. November hat das Volk, haben Arbeiter und Soldaten der Sache der Freiheit zum Sieg verholfen. Am 16. Dezember soll der zweite Hammerschlag fallen, vor dem Veraltetes zerbrechen und das Neue fester geschmiedet werden muß. Am 16. Dezember treten die Arbeiter- und Soldatenräte des ganzen Reiches zusammen. Ihre Aufgabe ist es den dritten und größten Tag zu bestimmen: den Tag der Nationalversammlung.

Ein ungeheures Maß der Verantwortung legt sich damit auf Euch, kaum, daß Ihr heimgekehrt seid. Kameraden, Ihr werdet mit zu bestimmen haben, wenn der wichtigste Tag für Euer Vaterland festgelegt wird, Ihr werdet das weiße Kalenderblatt ausfüllen müssen, auf dem der Geburtstag des neuen Vaterlandes, der einigen deutschen Republik, stehen soll. Mit ehernen Lettern habt Ihr Eure Kriegstaten ins Buch der Geschichte eingeschrieben, nun tragt ebenso unvergänglich Eure erste Friedenstat in die Geschichte Eures Volkes ein.

Die Nationalversammlung muß wahr machen, was dort weithin leuchtend steht: Frieden und Freiheit! Sie muß das Wort wahr machen: "Deutschland hat ewigen Bestand, es ist ein kerngesundes Land", ein wahres Vaterland für alle Volksgenossen, eine Werkstätte für jeden Fleiß, eine dankbare Mutter für jeden in Krieg oder Frieden verdienten Sohn, die Verwirklichung des großen Ideals von der Freiheit und der Gleichheit und der Brüderlichkeit!

 

 

 

 

 



[1]. Cf. auch:

http://www.dhm.de/datenbank/dhm.php?seite=5&fld_0=D2Z25404